Kein Kampf ist leicht

Tran To Nga

Die Geschichte begann vor acht Jahren, im Jahre 2009, bei einem Unterstützertribunal für Opfer von Agent Orange aus Vietnam. Ich habe dort ausgesagt, zusammen mit weiteren zwölf Zeugen, die aus den Vereinigten Staaten, aus Südkorea und den Philippinen gekommen waren.

Nach mehreren Tagen, in denen ich mir das Ganze hin und her überlegt habe, ging ich schließlich auf den Vorschlag von André Bouny und dem Anwalt William Bourdon ein, einen Prozess gegen die amerikanischen Chemie-Konzerne zu führen, die das Entlaubungsmittel produziert und während des Vietnamkriegs an die Streitkräfte der Vereinigten Staaten ausgeliefert haben.

Sechs Jahre lang haben Maître Bourdon und seine Mitarbeiter in strikter Geheimhaltung intensiv gearbeitet, um eine Anklageakte auszuarbeiten, die dann, wenn möglich, bei einem Gericht eingereicht werden soll. In diesen sechs Jahren haben wir und unsere Rechtsanwälte, ehe unsere Klage anerkannt und unterstützt wurde, viele Behinderungen und Schwierigkeiten erfahren. Ich selbst musste kritische Einwände gegen meine Person und gegen das Ziel meines Kampfes erleben, den ich am Abend meines Lebens führen wollte.

Im März 2015 hat ein Film mit dem Titel Agent Orange, une bombe à retardement (Agent Orange eine Bombe mit Zeitzünder)1 eine erneute intensive Diskussion über Agent Orange und eine breite Welle der Unterstützung ausgelöst. Zu Beginn hatten sich etwa zwanzig Freunde entschlossen, mich sehr schnell zu unterstützen, denn es war ein Wettlauf gegen die Zeit: Der Termin für die Zulassung vor Gericht war auf den 15. Mai festgelegt (nur fünf Jahre, nachdem ich vor dem genannten Tribunal ausgesagt und mich damit offiziell als Opfer von Agent Orange erklärt hatte). Nur wenige Menschen kannten mich, aber schon nach einer Woche kamen 16.000 zusammen von den 35.000 , die wir brauchten, um die Beweisakten übersetzen zu lassen. Die Rechtsanwälte arbeiteten ohne Bezahlung für uns.

Am 15. Mai 2015 wurde die Anklageschrift an die 26 amerikanischen Firmen verschickt, die an der Produktion von Agent Orange während des Vietnamkriegs beteiligt waren. Im April 2016 teilte uns das Berufungsgericht in Evry mit, dass von den 26 schon 19 auf die Anklage reagiert hätten. Ich empfand dies als einen großen Schritt voran in meinem Kampf.

Seitdem sind 15 Monate vergangen mit 8 Verhandlungen zur Beweisaufnahme, und in jeder Sitzung gab es Zwischenfälle und unsinnige Forderungen der Prozessgegner. Die Beweisaufnahme wurde trotzdem weitergeführt und jeder Verhandlungstag war für mich eine gewonnene Schlacht.

Aus den zwanzig zu Beginn sind jetzt hunderte von Menschen geworden, dazu etwa 20 Organisationen, die sich uns angeschlossen haben zur Erreichung eines gemeinsamen Ziels: den Prozess zu unterstützen, der nur den Namen einer Person trägt: Tran To Nga.

Ob es die Firmen und ihre Anwälte nun wollen oder nicht, der Prozess hat weltweit Aufsehen erregt, nicht nur bei den Franzosen und Französinnen, sondern auch bei Menschen aus anderen Ländern. In New York wurde ich herzlich empfangen von amerikanischen Vietnamveteranen und Opfern von Agent Orange, in Luxemburg wurde ich vom Minister für Umwelt und dem Präsidenten der Nationalversammlung empfangen. Spenden aus der Schweiz, aus Deutschland, aus Italien, aus Belgien sind auf unserem Konto für die Deckung der Kosten des Prozesses eingegangen. In Frankreich wurde am 8. Mai 2017 ein Hilfskomitee gegründet, dem mehr als zehn Organisationen angehören und das von einem Führungsgremium geleitet wird. Seine Aufgabe ist es, Unterstützungsaktivitäten zu organisieren und für die Solidarität zu werben.

Das Ziel ist: Bis Ende Juni etwa 60.000 zusammenzubringen für die Übersetzungsarbeiten in Vorbereitung des Prozesses2. Dies ist eine absolute Voraussetzung. Eine andere Aufgabe des Komitees ist es, mich in Perioden der Krankheit zu vertreten. Auch wurden in einem Jahr schon mehr als 800 Exemplare meines Buchs Ma terre empoisonnée (Meine vergiftete Heimat)3 verkauft, von jedem verkauften Exemplar werden 5 für die Arbeit der Komitees verwendet.

So kamen inzwischen mehr als 60.000 zusammen, die es heute den Anwälten erlauben mit den Übersetzungen zu arbeiten und aus ihnen die Anklageschrift zu ergänzen. Wir müssen allerdings weiter Spenden sammeln. Denn der Prozess wird lang und teuer werden.

Liebe Freunde und Freundinnen, liebe Verantwortliche der verschiedenen Organisationen,

heute möchte ich meine Dankbarkeit zum Ausdruck bringen, meine jedes mal erneuten und intensiveren Gefühle der Dankbarkeit für Ihre Großzügigkeit, Ihre Herzensgüte, Ihr Mitleid mit den 3 Millionen Opfern, die mit Agent Orange vergiftet wurden und krank sind.

Aber wir wollen mit unserem Kampf in bescheidener Weise auch zu dem Kampf unseren Beitrag leisten, den viele Bürger auf der ganzen Welt heute gegen Monsanto und die anderen Chemiefirmen führen, denn diese sind auch heute wieder für oft schwere Krankheiten verantwortlich, die auch schon viele Todesopfer gefordert haben, und die ausgelöst werden durch neue Pestizide, von denen Agent Orange ein Vorfahr war, und durch die gentechnisch veränderten Nahrungsmittel, durch die die Entwicklung der neuen giftigen Pestizide überhaupt erst nötig wurde.

Kein Kampf ist leicht, und schon gar nicht ein Kampf gegen so mächtige Kriminelle, die niemals bereit sind, ihre Verbrechen und ihre Missetaten anzuerkennen.

Mit meiner Dankbarkeit aus ganzem Herzen möchte eine Bitte verbinden: Bleiben Sie bei der Stange, unterstützen Sie meinen Kampf für eine gerechte Sache und gehen wir vereint den Weg weiter, bis die Opfer von Agent Orange eines Tages vielleicht das Licht der Gerechtigkeit sehen werden und vor allem, damit sie nie vergessen werden.

In Freundschaft

Tran To Nga

Die Freundschaftsgesellschaft hat bereits zu den Kosten für die Übersetzungen aus Spenden, die von Mitgliedern des Vorstandes spontan gegeben wurden und aus Reserven unserer Spendenkasse ad hoc 3.000 beigetragen. Auch andere FGs aus Europa haben dies getan, so dass diese erste Hürde fristgemäß genommen werden konnte.

Aber es dürfte jedem klar sein, dass der Prozess noch weitere Kosten verursachen wird. Deshalb appellieren wir jetzt auch an alle Mitglieder, diese Aktion weiter zu unterstützen.

Der Vorstand

Unser Spendenkonto ist: IBAN DE07 3701 0050 0001 1605 01 Postbank Köln. Stichwort: Tran To Nga.

veröffentlicht im Vietnam Kurier 1/2017

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