Günter Giesenfeld, geb. 1938

Brennpunkt Vietnam

Vietnam war nicht nur der Ort, an dem ein Befreiungskampf gegen eine Kolonialherrschaft gewonnen wurde, sondern Vietnam markiert auch den Übergang zu einer neuen Ära in der Menschheitsgeschichte, die man als post-imperialistisch bezeichnen könnte. In der nämlich Kriege nicht mehr um Territorien geführt wurden, sondern um Einflusssphären, Rohstoffe oder Handelswege, in der mit der Globalisierung nicht nur eine neue Weltordnung installiert, sondern auch ein neuer Umgang von Staaten untereinander eingeführt wurde (und parallel dazu ein neuer Umgang der Menschen untereinander). Die Verlierer im Kampf um die Existenz in der alltäglichen kapitalistischen Konkurrenz und die Verlierer in den modernen Wirtschaftskriegen zwischen Ländern und Regionen bis hin zu den sogenannten failed states) sind die Opfer des neuen post-moralischen, zynischen Zeitalters.
Natürlich ist das alles ein lang andauernder Prozess, dessen Charakter aber im Brennpunkt „Vietnam“ sozusagen wie unter einem Mikroskop studiert werden kann.

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